Einige Fakten über Indien
Geschichte
3. Jahrtausend v. Chr. Induskultur: eine der ältesten Kulturen der Menschheit 2. Jahrtausend v. Chr. Eindringen der Aryer und Beginn der Herausbildung des religiös-kulturellen Systems des Hinduismus. Im weiteren entstehen in Indien auch der Buddhismus, der Jainismus und der Sikhismus 12 Jh. Beginn der muslimischen Herrschaft 1857 Unterstellung Indiens unter die britische Krone 1947 Infolge der Unabhängigkeitsbewegung unter Führung von Mahatma Gandhi endet die britische Kolonialzeit mit der Unabhängigkeit Indiens und der Teilung des Subkontinents in Pakistan und Indien. 1949 Indien wird parlamentarisch-demokratisch. Damit ist Indien die größte säkulare parlamentarische Demokratie der Welt
Gesellschaft
In Indien leben 17 Prozent der Weltbevölkerung - 1,1 Milliarden Menschen. Es ist die zweitgrösste Population der Welt und wird nur von China übertroffen. Die Vereinten Nationen schätzen, dass Indien - mit einem Bevölkerungswachstum von 1,65 Prozent jährlich - bis 2045 China als bevölkerungsreichstes Land der Erde ablösen wird. Das grosse Bevölkerungswachstum beruht auf Armut und die Ursachen sind Benachteiligung der Frauen und der Mangel an wirtschaftlicher Solidarität. Die sozialen und wirtschaftlichen Probleme des Subkontinents sind gravierend. Laut Angaben der Weltbank haben 44 Prozent der Bevölkerung pro Tag weniger als einen Dollar zur Verfügung. 53 Prozent der Inder sind jünger als 25 Jahre. Im Jahr 2001 waren 35% aller Inder Analphabeten (24% männlich und 46% weiblich). Die Analphabetenrate ist seit 1991 um 13.7% gesunken. Wie viele Sprachen in Indien gesprochen werden, ist nicht genau bekannt: Die Angaben darüber variieren zwischen 845 und 1652 Sprachen und Dialekten. Es gibt in Indien 22 anerkannte Landessprachen wobei die offiziellen Sprachen Hindi und Englisch sind.
Soziales
Indien besitzt die weltweit höchste absolute Bevölkerungszunahme pro Jahr. Die Ursache der Bevölkerungsexplosion in Indien ist die viel zu hohe Geburtenziffer bei abnehmender Sterberate. Schätzungsweise die Hälfte aller Inder lebt unter dem Existenzminimum, was zur Zeit einem realen Bevölkerungsanteil von 500 Millionen entspricht. Weitere 200 Millionen leben am Rande des Existenzminimums. Die Bevölkerungsexplosion zehrt den wirtschaftlichen Fortschritt des Landes gleich wieder auf und ist der Hauptauslöser für die Armut der Bevölkerung. Mit der gravierenden Armut greifen die Unter- und Mangelernährung erschreckend um sich, die wiederum die Anfälligkeit gegen Krankheiten steigern und die Arbeitsleistung reduzieren. Die schnelle Ausbreitung von Drogen und die Massenflucht in unmenschliche "Superstädte" (300'000 Menschen in den Slums im Osten Delhis) entwickeln sich zu einer ernsten, wachsenden Gefahr für die indische Nation. Dieser atemberaubende Rhythmus ist zum wirtschaftlichen, sozialen und politischen Hauptproblem des Landes geworden. Zwischen 6 und 7 Millionen Arbeitsplätze müssen jährlich neu geschaffen werden, dazu braucht das Land 16 000 Primarschulen und 400’000 zusätzliche Lehrer pro Jahr, die ausgebildet werden müssen. Wasserknappheit ist schon jetzt eines der größten Probleme des Landes. Die Wasservorkommen sind regional sehr ungleich verteilt. Fast überall sinken die Grundwasserspiegel dramatisch. Gleichzeitig wächst die Bevölkerung in wasserknappen Regionen am schnellsten. Die Landwirtschaft verbraucht 85% des verfügbaren Wassers in Indien und man schätzt, dass sich die Nachfrage dafür bis 2025 verdoppeln wird. Die Industrie wird bis dahin ebenfalls doppelt so viel Wasser benötigen und die Haushalte das Dreifache. Fast ein Fünftel der indischen Bevölkerung hat bis heute keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Nur 16 Prozent der Bevölkerung haben Zugang zu sanitären Anlagen. Verschmutztes und verseuchtes Wasser ist eine der Hauptursachen für viele Infektionskrankheiten, die insbesondere unter Kindern und in Armut lebenden Menschen jedes Jahr zahlreiche Opfer fordern. Rund 70-80 Millionen Kinderarbeiter gehen nicht zur Schule, weil sie für den Lebensunterhalt der Familie aufkommen müssen. Oft müssen die Kinder bis zu 14 Stunden in einer gesundheitsschädlichen und gefährlichen Umgebung schuften, um einen minimalen Lohn nach Hause zu bringen. Die Hälfte aller indischen Kinder sind unterernährt. Verhinderbare Krankheiten wie Tuberkulose, Malaria, Blindheit (durch Falsch- und Unterernährung) und Lepra machen die Hälfte aller gemeldeten Krankheiten aus. Auch AIDS verbreitet sich rapide. Mädchen sind in der indischen Gesellschaft weniger wert als männliche Nachkommen. Mädchen werden häufiger abgetrieben oder nach der Geburt getötet, ihre Sterblichkeitsrate vor dem fünften Geburtstag liegt um 43 Prozent höher als die der Jungen. Mädchen werden nicht so lange gestillt, bekommen weniger und schlechtere Nahrung, und im Krankheitsfalle ist die Wahrscheinlichkeit einer ärztlichen Untersuchung gering.
Wirtschaft
Das Bruttosozialprodukt pro Kopf liegt bei 360 USD pro Jahr. Mehr als zwei Drittel der indischen Bevölkerung leben von der Landwirtschaft und 75% leben in ländlichen Gebieten. Sie erzeugen aber nur 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Landwirtschaft ist ineffizient organisiert und extrem vom Wetter abhängig. Die meisten Höfe sind sehr klein. Reis ist das wichtigste Anbauprodukt und gleichzeitig das Hauptnahrungsmittel weiter Kreise der indischen Bevölkerung. Indien gehört aber auch zu den weltgrößten Produzenten von Zuckerrohr, Tee, Baumwolle und Jute. Auch Viehzucht (Büffel, Pferde und Esel) ist von großer Bedeutung. Kamele gehören in den Trockengebieten des Punjab und Rajasthans zu den wichtigsten Lasttieren. Schafe und Ziegen werden hauptsächlich wegen der Wolle gezüchtet. Die vielfältigen Bodenschätze bildeten die Grundlage für die wirtschaftliche Entwicklung Indiens nach der Unabhängigkeit. Die älteste und immer noch wichtigste Industrie-Branche Indiens ist die Textilindustrie (es werden hauptsächlich Baumwollstoffe hergestellt). In den letzten Jahren erlebte auch die Computerindustrie, insbesondere der Softwarebereich, einen gewaltigen Aufschwung. Die südindische Stadt Bangalore gilt als das "Silicon Valley" Indiens.
Religionen
Hindus: 82,6%
Moslems: 11,4%
Christen: 2,4%
Sikhs: 2,0%
Buddhisten: 0,7%
Jains: 0,5%
Sonstige: 0,4%
Das Kastensystem
Die Merkmale einer indischen Kaste bestehen aus der starren, erblichen Zugehörigkeit zu der Kaste, dem Brauch, nur Mitglieder der gleichen Kaste zu heiraten, Beschränkungen bei der Wahl des Berufs und bei persönlichen Kontakten. Damit ist soziale Mobilität fast unbekannt. In den großen Städten lockert sich die Situation im Rahmen der Verwestlichung langsam. 1949 wurde auf Mahatma Gandhis Drängen hin das Verbot des Kastenwesens, besonders der Unberührbaren, in das Grundgesetz aufgenommen. Die Jahrtausende alte Tradition wird bisweilen vor allem in ländlichen Regionen aber weitgehend ignoriert. Die Kasten sind im Laufe der Zeit immer wieder unterteilt worden. Im Augenblick gibt es zwischen 2000- und 3000 Kasten. Die Hauptunterteilung ist:
Brahmanen: oberste Klasse und Priesterkaste, Anspruch auf Erleuchtung Kschatrija: Kaste der Krieger Waischia: Kaste der Bauern und Händler Schudra: Arbeiterkaste, zum Dienst gegenüber den drei höheren Kasten verpflichtet, besonders den Brahmanen Harijans: Die Kastenlosen oder auch Unberührbare genannt. Keine Kaste an sich, sondern eine Ansammlung von Ausgestoßenen, die nur niedrigste Arbeiten verrichten dürfen.
